Die Diagnose *Anencephalie* |
Alle Informationen dazu sind mit der Erlaubnis von der Seite http://www.anencephalie-info.org/d/faq.php entnommen. |
Was ist Anencephalie ? |
Anencephalie ist eine angeborene Missbildung, die nicht mit dem
Leben vereinbar ist. Sie tritt ganz am Anfang der embryonalen
Entwicklung auf. Das Wort Anencephalie bedeutet "ohne Gehirn", was
allerdings nicht ganz zutrifft. Einem anencephalen Kind fehlen zwar
Teile des knöchernen Schädeldachs, der Hirnhäute, der Kopfhaut und
des Gehirns, das Stammhirn ist aber vorhanden. Viele anencephale Babies sterben während der Geburt, jene, die überleben, haben eine Lebenserwartung von wenigen Stunden oder Tagen. Ungefähr 20 Prozent der betroffenen Kinder haben zusätzliche Fehlbildungen (Botto, 1999) |
Was wissen wir über die Anencephalie ? |
Vorkommen: Ein Kind auf ca. 1000 Geburten (in Mitteleuropa) geprägt durch geographische und bevölkerungsspezifische Unterschiede. Häufiger bei Mädchen als bei Jungen. (Sadler, T.W. 2005) |
Gibt es eine Therapiemöglichkeit ? |
Leider nein. |
Auftreten : |
Anencephalie gehört zu den Neuralrohrdefekten. Das Neuralrohr
formt sich zwischen dem 20. und dem 28. Tag nach der Zeugung (Sadler
199.)Die Zellen der Neuralplatte (Zellen aus denen sich später das
zentrale Nervensystem bilden) rollen sich auf, um das Neuralrohr zu
bilden. Wenn dieser Ablauf gestört ist, und sich das obere Ende des
Neuralrohrs nicht schliesst, dann tritt eine Anencephalie auf. Teile
des knöchernen Schädeldachs, der Hirnhäute, der Kopfhaut und des
Gehirns können sich nicht entwickeln. |
Welches sind die Gründe der Anencephalie ? |
Die Gründe der Anencephalie sind noch nicht bekannt. Man nimmt
an, dass es sich um ein Zusammenspiel zwischen Umweltfaktoren und
genetischen Einflüssen handelt. (Sadler, 2005) Seit längerem aber
ist bekannt, dass das Vitamin Folsäure eine vorbeugende Wirkung hat,
Medikamente, die den Folsäurespiegel im Blut heruntersetzen (Pille,
Valproate, Antimetabolika, u.a.) erhöhen dementsprechend das Risiko.
Bei Frauen, die an Diabetes leiden, steigt die Wahrscheinlichkeit,
ein krankes Kind zu gebären. Chromosomale Anomalien, Genmutationen und teratogene Faktoren wurden in weniger als 10 Prozent der Fälle beobachtet (Holmes 1976) |
Lebenserwartung : |
Ungefähr ein Drittel der anencephalen Kinder sterben während der
Geburt. Die Lebenserwartung nach der Geburt liegt zwischen wenigen
Stunden und 3 bis 4 Tagen. In seltenen Fällen kann das Kind bis zu
10 Tagen leben. |
Wann kann die Anencephalie diagnostiziert
werden ? |
Ein sehr erfahrener Spezialist mit einem Ultraschallgerät
grösster Auflösung kann die Anencephalie bereits in der 10.
Schwangerschaftswoche erkennen. In der Praxis sind diese Bedingungen
allerdings nur sehr selten vorhanden. Unter normalen Umständen, kann
man diese Missbildung per Ultraschall erst ab der 16.
Schwangerschaftswoche diagnostizieren oder ausschliessen. Eine AFP-Bestimmung (Tripple Test) im mütterlichen Serum (Blut) erlaubt die Wahrscheinlichkeit für einen Neuralrohrdefekt zu errechnen. Ein positives Resultat muss allerdings danach durch einen Ultraschall oder eine Fruchtwasserpunktion bestätigt werden. Der Tripple-Test kann zwischen der 15. und der 20. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, der optimalste Zeitpunkt ist die 16. Woche. |
Was ist AFP ? |
Alpha- Feto-Protein ist ein vom Fötus produziertes Protein. Das
Ungeborene scheidet es durch seinen Urin in das Fruchtwasser aus.
Wenn das Kind einen Neuralrohrdefekt hat, tritt durch die offenen
Stellen mehr AFP als normal ins Fruchtwasser aus. Durch die Plazenta
gerät das AFP ins Blut der Mutter und kann so gefahrlos gemessen
werden |
Ist die Diagnose sicher ? |
Anencephalie ist eine Missbildung, die sehr einfach auf dem
Ultraschall zu erkennen ist. Hat ein qualifizierter Arzt die
Diagnose nach der 16. Schwangerschaftswoche gestellt, besteht fast
keine Hoffnung, dass er sich geirrt haben könnte. Ein positives Resultat des Tripple-Tests gibt allerdings nur eine Wahrscheinlichkeit an, dass das Baby einen Neuralrohrdefekt oder eine Trisomie 21 oder 18 haben könnte. In den meisten Fällen ist das Baby völlig gesund. Deshalb ist es unbedingt nötig weitere Untersuchungen (Ultraschall) durchzuführen, um zu bestätigen, ob das Kind wirklich an Anencephalie leidet. |
Gefährdet ein anencephales Kind die
Gesundheit der Mutter ? |
Nein. Die Schwangerschaft mit einem anencephalen Kind ist nicht
gefährlicher als eine normale Schwangerschaft. In ca. einem viertel der Fälle entwickelt sich zu viel Fruchtwasser (Hydramnion), wenn das Baby kein Fruchtwasser schlucken kann. Wenn die Fruchtwassermenge zu groß wird, kann dies die Mutter stören. Vorzeitige Wehen können auftreten oder die Fruchtblase platzen. Um dem abzuhelfen, kann eine reduzierende Fruchtwasserpunktion durchgeführt werden. Dabei wird unter Ultraschallkontrolle mit einer Nadel Fruchtwasser abgezogen. |
Wie sieht ein anencephales Kind aus ? |
Der Körper eines anencephalen Kindes ist völlig normal. Sein Köpfchen hört oberhalb der Augenbrauen auf. Es hat meist Haare bis ca. in die Mitte des Hinterkopfes. Eine Öffnung im Schädeldach legt eine weiche, dunkelrote Masse von Nervengewebe frei, die nur von einer feinen Membrane überzogen ist. Die Größe dieser Öffnung kann sehr stark variieren von einem Kind zum anderen. Die Augen können wegen der unpassend geformten knöchernen Augenhöhlen etwas hervorstehen. |
Was "kann" ein anencephales Kind ? |
Die Ärzte werden Ihnen wahrscheinlich sagen, anencephale Babies
seien taub, blind, bewusstlos und könnten keinerlei Schmerz
empfinden. Die Erfahrungen vieler Familien, die ein anencephales
Kind hatten, widersprechen jedoch diesen Aussagen. Das Gehirn ist nicht gleichmäßig bei allen anencephalen Kindern ausgebildet. Mehr oder weniger funktionierende Gehirnmasse kann anwesend sein. So können einige anencephale Babies durchaus schlucken, trinken, weinen, hören, Vibrationen (starker Lärm) und Bewegungen spüren, und sogar auf Licht reagieren. Das Wichtigste aber: sie spüren unsere Liebe. Denn die Liebe wird mit dem Herzen gegeben und genommen, dafür braucht es kein perfektes Gehirn. |
Wie verläuft die Geburt eines anencephalen
Babys ? |
Das Baby ist an der Auslösung der Geburt mittels seiner
Hypophyse beteiligt und da diese bei einem anencephalen Kind
abwesend oder unzureichend ausgebildet ist, geht die Geburt oft
nicht spontan los. Aus diesem Grund bitten viele Mütter um eine
Einleitung der Geburt am Ende der Schwangerschaft. Da das Schädeldach
fehlt, ist es sehr wichtig, die Fruchtblase so lange wie möglich
intakt zu halten, damit diese den nötigen Druck für die Dilatation
auf den Muttermund ausüben kann. Unter diesen Umständen wird die
Geburt eines anencephalen Kindes meist gleich verlaufen, wird die
selbe Zeit brauchen, wie die Geburt eines gesunden Kindes derselben
Mutter. Beobachtungen vieler betroffenen Mütter haben gezeigt, dass die Chancen für das Baby, die Geburt zu überleben, drastisch fallen, wenn die Fruchtblase künstlich zum platzen gebracht wurde. |
Kann ein anencephales Kind Organspender
werden ? |
Grundsätzlich ja. In der Praxis ist es aber in vielen Ländern
nicht erlaubt, da sich sowohl ethische als auch praktische Probleme
stellen. Organtransplantationen bei Neugeborenen stehen noch in den Kinderschuhen. Die kurzfristigen Konsequenzen sind wenig bekannt, über langfristige Auswirkungen sind noch gar keine Daten vorhanden. Eine Organtransplantation von einem anencephalen Kind kann erst dann in Betrachtung gezogen werden, wenn das Baby als klinisch tot erklärt wurde. Die Bedingungen des klinischen Todes sind allerdings nur bedingt auf Neugeborene unter 7 Tagen anwendbar. Bei anencephalen Kindern funktioniert das Stammhirn bei der Geburt meist normal. Der Tod des Stammhirns ist meist sehr langsam und andere Organe können in der Zwischenzeit beschädigt werden und nicht mehr für eine Transplantation geeignet sein. Beobachtungen haben gezeigt, dass anencephale Babies den Zustand des klinischen Todes (totale Abwesenheit jeglicher Reflexe und spontaner Atmung) nur selten erreichen, währenddem das Herz noch in einem normalen Rhytmus weiter schlägt. Eine Organspende von anencephalen Babies wäre demzufolge nur in seltenen Fällen durchführbar. In manchen Ländern ist es allerdings möglich, die Herzklappen zu spenden. Die oben genannten Probleme treten hier nicht auf, da die Herzklappen noch bis zu 8 Stunden nach dem Tod entnommen werden können. Sie werden danach eingefroren, bis ein anderes Baby operiert werden muss. |
Wie hoch ist die Rückläufigkeitsrate ? |
In dem meisten Fällen handelt es sich um isolierte Missbildungen
und es ist unwahrscheinlich, dass es zweimal in derselben Familie
auftritt. Statistisch gesehen, beträgt das Risiko nach einem
betroffenen Baby ein zweites anencephales Kind zu bekommen 2 - 4%. |
Kann Anencephalie verhindert werden ? |
Seit längerer Zeit bereits hat man festgestellt, dass die
Einnahme des Vitamins Folsäure das Risiko von Neuralrohrdefekten
beträchtlich sinken kann. Wenn alle Frauen im gebärfähigen Alter täglich 0.4 mg Folsäure einnehmen würden, und das vor und mindestens bis Ende des ersten Trimesters der Schwangerschaft, so könnten 50 - 70 % der potentiellen Fälle von Anencephalie und Spina bifida verhindert werden (Czeizel and Dudas, 1992). |